Mittwoch Abend, langeweile, was ist zu tun? Da ja die meisten zivilisierten Menschen arbeiten und demnach früh aufstehen müssen (was auf mich natürlich nicht zutrifft - Student) war es schwer jemanden ausfindig zu machen, der für mich Zeit hatte. Nach langem Überlegen (zirka eine Minute, typisch Frau: kurz, präzise und entschlossen) rief ich meine Freundin an, die sich mir glücklicherweise anschloss (Krankheit: Faulenzia). Die Nacht gehörte nun uns.
Viel blieb uns nicht übrig, nur unsere Stammdisco hatte offen. Voller Vorfreude, zum x-ten Mal hin, riefen wir das Taxi. Halb zwölf. Es klingelt. Das Taxt war da. Steile Treppe abwärts birgt so einige Risiken (zum Glück - Frauenpower - eine fällt, eine hält). Im Taxi angekommen: gesetzter, zirka 50-jähriger grinst uns mit seinen verbliebenen Zähnen entgegen (was will man erwarte, wo Zahnersatz doch so teuer ist?). Zumindest schienen wir ihn zu unterhalten, indem wir über das weibliche “Rubbellos” sinnierten, von dem Männer immer denken, dass je oller - so doller der Gewinn. Fazit: weit, weit entfernt vom weiblichen Höhepunkt.
Endlich angekommen, flirtbereit, mit breitem Grinsen dem Türsteher entgegen, erwartungsvoller Blick in sein Gesicht, und in Gedanken schon auf die Frage eingestellt: “Baby was machst du heute Abend noch so?”, kam nur eine Frage, die mich irritierte - wirklich! “Hast du denn überhaupt schon einen Personalausweis”, kam über die Lippen des Schrankes. Voller Stolz ( bin ja schon 21) und ein bisschen verwirrt, kramte ich besagtes Stück aus meiner Handtasche. Er ließ mich rein und ich bewegte mich ins Entrée.
In langsamer Pirschhaltung, denn man ist ja schon ein wenig schüchtern, bewegten wir uns vor zur Theke. Erst einmal einen Überblick verschaffen. Ui… waren ja doch so geschätzte 38 Mann vor Ort. Ich ging davon aus: Studenten oder Kranke. Das ist nicht komisch, schließlich haben wir Mittwoch Abend! Nach einem flotten Discofox on stage, ein paar Pöbeleien auf der Damentoilette und ein paar Gläsern Gin Tonic, sah ich IHN.
Er glotzte wohl schon seit geraumer Zeit. Wohl nicht mit dem Gedanken: Mensch die ist ja toll. Die kann ich mir glatt vorstellen, wie sie am Sonntag in meiner Küche steht und mir die Rouladen zubereitet. Viel mehr mit dem einen bestimmten Blick: Die ist heiß. Da geht noch was. Natürlich merkt Frau so etwas erst immer im nachhinein. Besagter Mann kommt gegen 02:13 Uhr zu mir an die Theke. Er spendiert größzügig Champagner (das Zeug ist aber einfach nur ekelig). Mein erster Gedanke: Der will mich Sonntags in seiner Küche zum Rouladen kochen. Super. A: Ich kann nicht kochen und B: schon gar keine Rouladen. Naja, flexibel wie ich bin, dachte ich schon über verschiedene Varianten zur Zubereitung von Spiegelei nach.
Ich wurde jedoch schnell wieder aus meinen Gedanken gerissen. Er war verschwunden. Kurzer, verzweifelter Blick in alle Richtungen. Hallo? Wenn du keine Eier magst, hättest du es mir doch auch einfach sagen können. Mein gestörter Blick wurde durch eine schrille mir bekannte Stimme unterbrochen. Sie kam aus dem Lautsprecher, nicht weit von mir entfernt. Sitzt der Champagner-Boy jetzt in der Box? Und wie kriege ich ihn da wieder raus? Nein, er sang. Er stand auf der Bühne und sang. Es drang irgendwie unterschwellig zu mir durch: “Ohne dich schlaf ich heut nacht nicht ein…”. Und er sang für mich (machte ich daran fest, dass die besagten 38 Mann alle zu mir rüber starrten und sein Zeigefinger felsenfest auf mir ruhte). Wo ist das leuchtend grüne Schild? Und wo sind die anderen Grünen wenn man sie mal braucht? Der kann sich selbst bekochen!
Blick zur Freundin, welche knutschend im Sessel in der Ecke saß. Erste Kontaktaufnahme gescheitert. Erneuter Versuch. Sie nimmt mich nun wahr. Ich schicke ihr den Geheimcode. Hand an Fuß und formen des Wortes “help” mit meinen Lippen. Bedeutet so viel wie: Beine in die Hand - HILFE!!!! Gefühlte 45 Minuten später (oder vielleicht doch nur zwei), treffen wir uns endlich vor der Tür. Sie kam natürlich nicht allein und schien immer noch sehr beschäftigt zu sein. Zitternd und gefolgt von Champagner-Boy (war es Kälte oder Panik?) versuchte ich durch Pfeifen (in Filmen immer so schön beobachtet) ein Taxi zu beordern. Ich merkte leider zu spät, dass eine ganze Reihe Taxen auf der gegenüberliegenden Straßenseite stand. Typisch ich…
Ich setzte mich auf die Rückbank. Ich beugte mich vor, um nach dem Preis für die Fahrt zu fragen (Studenten haben zwei Dinge eben sehr wenig: Geld und zu tun). Als ich mich wieder zurücksetzte und nach links blickte, bekam ich fast einen Herzstillstand. Ich starrte direkt in das Gesicht von Champagner-Boy. Hatte ich jetzt vielleicht doch einen zu viel getrunken? Ich kniff mich drei Mal, aber er verschwand einfach nicht. Mein singeneder Champagner-Boy - Lars war übrigens sein Name - hatte sich anscheinend alle seine Hemmungen weggesungen, denn er ließ plötzlich einfach so seine Hose runter. Bis ich realisierte, was dort passierte, hatte er seinen “großkleinen Freund” schon in der Hand und hauchte mir mit lallender Stimme ins Ohr: “Nimm ihn in den Mund!” Ich war schockiert und fand das ganze doch irgendwie auch witzig. Er wedelte mit seinem Nahkampfstachel nun schon so sehr, dass er mir schon ein wenig leid tat. Ich tippte schnell meine Freundin an, damit sie auch etwas von der amüsanten Vorstellung hatte, denn mal ehrlich: Wie oft bekommt man so etwas hilfloses, so etwas winziges, schon vor die Augen?!
Irgendwann wurde mir das Schauspiel aber doch zu viel. Wann packte er sein Ding bloß endlich wieder ein? Ahh… Wir bogen in meine Straße ein. Das Taxi hielt vor meiner Haustür. Himmel. Das Teil hing immer noch aus seiner Hose raus. Und ich war einfach nicht im Stande die Tür aufzumachen. Sie klemmte!!!! Der Taxi-Mann stieg darauf hin aus, um mir behilflich zu sein. Die Tür flog von außen auf. Der Taxi-Mann guckte mich an, starrte ihn an und grinste auf einmal total schelmisch: “Na, wohl eine interessante Fahrt gehabt!?” Lars but not least gab mir das dann den Rest. Ich sprang aus dem Taxi, lief zur Tür, schloss auf und ließ mich erstmal auf die Treppe sinken. Ich wollte einfach nur noch ins Bett.
Ich muss leider schon wieder verneinen, wenn ich mich frage: Können Männer nicht mal wahre Größe zeigen?